UMZUG
Ich weiß, ich weiß, es hat mal wieder viel zu lange gedauert. Das kommt daher, dass wir so viel arbeiten!
) Es ist viel passiert, seit wir wieder hier in Thailand sind. Dreieinhalb Monate sind es schon wieder. In dieser Zeit sind wir zum Beispiel umgezogen. Wir wohnen jetzt in einem kleineren Haus, näher an der Gemeinde. Das Haus gehört einer Thailänderin und ihrem kanadischen Mann und ist sehr liebevoll hergerichtet worden. Wir fühlen uns hier sehr wohl, auch wenn wir jetzt weniger Platz haben.
Dortje und Jannes teilen sich nach wie vor ein Zimmer und jetzt auch ein Bett. Dort liegen sie manchmal verquer, manchmal über Kreuz, und manchmal tauschen sie auch während der Nacht die Plätze. Immer wieder überraschend! Aber sie kommen besser zurecht als wir gedacht hätten. Und sie sind gerne umgezogen, lieben es, jetzt mehr Kinder in der Nachbarschaft zu haben. Und die Tochter der Vermieter spricht auch noch Englisch!
Es gab zwei entscheidende Gründe für den Umzug: Zum Einen wollten wir die Fahrerei reduzieren. Wir waren doch sehr lange unterwegs und unser alter Ford ist auch sehr durstig. Jetzt können wir mit dem Auto oder auch mal mit dem Pickup-Taxi und dem Bus fahren. Zum Anderen wollten wir die Miete senken. Wir wollten unseren Teil dazu tun, dass die Finanzen irgendwie reichen, und da sind wir jetzt schon einen Schritt weiter.
WORK PERMIT UND VISA
Apropos “Schritt weiter”, wir sind auch sonst zwei entscheidende Schritte voran gegangen. Zum Einen haben wir tatsächlich und – ehrlich gesagt – wider Erwarten ein Work Permit bekommen! Yeah! Ein sehr begehrtes Büchlein, das einem angeblich die Türen in Thailand von ganz allein öffnet. Ah ja. Wir werden sehen. Nach einem Verschnauf-Wochenende ging es dann drei Tage nach Erhalt des Work Permit zur Immigration. Glücklicherweise einen Tag VOR Ablauf der Visa. Nein, nein so einfach war das nicht. Dabei hatten uns Freunde gesagt, auch die Visa seien mit dem Work Permit ein Klacks. ABER: Wir sind hier in Thailand. Also, da musste noch eine Liste aller ausländischen Mitarbeiter der Stiftung dazu. Ja, auch wenn ich die einzige sei. Und auf die Kopie unserer Heiratsurkunde müsse ein Stempel von der Botschaft. Und noch das Eine oder Andere mehr.
Die Botschaft war an diesem Tag – natürlich – schon geschlossen. Also zum Goethe-Institut, weil man der DEUTSCHEN Botschaft natürlich nicht irgendeine hergelaufene Übersetzung vorlegen kann. Wo denkt Ihr hin? 1000 Baht, morgen früh, 9.30 Uhr. Alles klar. Wir hatten gehofft, früher bei Immigration sein zu können, aber naja. Also am nächsten Tag mit der Übersetzung zur Botschaft. Langes Warten, dann: Wir werden aufgerufen. Es ist inzwischen recht spät. Norman, hol schon mal den Wagen! Aber nein, weiteres Warten, dann: “Haben Sie denn die Original-Heiratsurkunde dabei?” Nein. “Also, dann kann ich Ihnen das aber nicht abstempeln. Ich frage mal meine Vorgesetzte.” Letzteres, weil ich langsam etwas ungeduldig wurde. Weiteres Warten, dann: Die Vorgesetzte (eine Deutsche) ruft mich in ein Kabuff und bittet mich, die Tür zu schließen. Aha. Für so unkontrolliert bin ich, glaube ich, schon lange nicht mehr gehalten worden.
Die Vorgesetzte erklärte mir dann im Prinzip, dass sie deutsches Recht beuge, wenn sie den verlangten Stempel auf das Papier setze. Um alles in der Welt! Das will natürlich keiner!!! Dass sich deutsche und thailändische Gebräuche auf dem Rücken der Expats treffen, ist doch völlig in Ordnung, wir haben ja sonst keine Probleme. Arggghhh! Norman war inzwischen mindestens sechsmal um den Pudding gefahren. Und so ein Pudding in Bangkok ist etwas größer als zuhause. Frust! Was nun? Was soll´s, zurück zu Immigration (die Strecken Zuhause – Botschaft – Immigration bilden übrigens ein formschönes und überaus großflächiges Dreieck über Bangkok).
Nummer ziehen und erstmal Essen gehen. Vor der Mittagspause passiert hier eh nichts mehr. Und dann irgendwann waren wir dran und – bekamen eine andere Beamtin als am Tag zuvor. Entweder diese Dame hat es nicht so mit Stempeln oder der vom Goethe-Institut war eindrucksvoll genug. Fertig, Pass zurück, bitte kommen Sie bald wieder (am 21. Juni, um genau zu sein, das richtige Visum abholen). Danke!!!
Das nur mal so als Eindruck von den “kleinen” Dingen, die das Leben im Ausland doch so bestimmen. Wir können jetzt ein Jahr hierbleiben und müssen uns nur noch alle drei Monate melden. Keine Trips nach Kambodscha mehr – zum Bedauern unserer Kinder.
BESUCH AUS DEUTSCHLAND
Das waren alles drei große Projekte, die viel Zeit und noch viel mehr Nerven gekostet haben (der Bericht oben ist ja nur ein Ausschnitt!). Und dann war da auch noch ein schönes Projekt: Mein Boss hat uns besucht! Alfons Schwiderski von Startblock-RheinMain e.V. und seine Tochter Cara waren hier und haben sich unser Leben und unsere Arbeit einmal angeschaut. Da Alfons auch noch einer der Pastoren unserer Heimatgemeinde ist, waren wir doppelt gesegnet. Und auch unser Team, hier bei der “Children of Our Home Foundation” wurde durch Alfons und sein intensives Interesse und seine guten und berechtigten Fragen sehr ermutigt. Danke, Alfons und Cara, dass Ihr die lange Reise und die Unannehmlichkeiten und die HITZE auf Euch genommen habt!!!
KINDERGARTEN
Und dann kam ja noch da Highlight des Jahres: Dortjes Kindergarten-Graduation. Nein, nein, hier werden die Kinder nicht einfach mit Handschlag verabschietet und bekommen ein schönes Leben gewünscht, NEIN, hier wird eine Feierstung mit Käppi und Umhang oder – wie man hier so sagt – caps and gowns begangen, Urkunden und Preise werden überreicht und eine Erfrischung angeboten. Und wie schon bei der Weihnachtsfeier werdenn etwa 1 Mio. Bilder von aufgeregten Eltern gemacht. Von uns natürlich auch!
Dortje hat die ganze Veranstaltung in vollen Zügen genossen. Aus Gestik (der Junge neben ihr wurde immer wieder selig gestreichelt) und Mimik (Strahlen wechselte sich mit verzücktem Lächeln ab) war zu schließen: Dortje war glücklich! Sie genoss jeden Gang auf die Bühne, sprach leise auch den Text der anderen Kinder mit und geriet auch nicht in Panik als ihr bei der Verbeugung vor dem Principal das Käppi vom Kopf rutschte. Dortje bekam den “Award for Caring and Helping Hands” und war begehrtes Fotomotiv für die anderen Eltern. Und für uns.

Jannes war auch dabei und war mit Sicherheit das einzige Kind, das die ganze Zeit nach vorne geguckt hat. Ich weiß das, denn ich saß schräg hinter ihm und wollte ein Bild von ihm machen. Er schien sehr stolz auf seine große Schwester zu sein. Und darauf, dass er nach den Ferien schon in K2 kommt. Nicht alle Kinder aus seiner Gruppe gehen mit in K2, zwei oder drei bleiben noch ein Jahr in K1, was die Sache von einer Selbstverständlichkeit zu einem Erfolg werden lässt.
Ob Jannes und Dortje im nächsten Schuljahr wieder zur BCIS gehen können, hängt allerdings davon ab, ob wir das Schulgeld bezahlen können. Falls nicht, müssen wir noch vor Ende der Ferien nach Deutschland zurückkehren. Erziehung an internationalen Schulen ist teuer. Die Schule ist die größte Ausgabe in unserem Budget. Und leider passt sie nicht hinein. Aber wir wollen der Schule nicht wieder etwas schulden (das haben wir schon in diesem Halbjahr gemacht), darum ist es diesmal “hopp oder top”. Oder so. Wer möchte, kann gerne für uns beten, und wer möchte, kann auch gerne spenden!
So, da wären wir in der Gegenwart angekommen. Jetzt haben wir große Ferien und Norman und ich teilen uns die Kinderbetreuung etwas auf. Da ich auch gut zuhause arbeiten kann, Norman aber nicht, bleibe ich häufiger hier. Wenn die Entscheidung gefallen ist, ob wir hier bleiben können, werden wir natürlich sofort berichten. Vielen Dank für das Interesse und die Ausdauer und bis zum nächsten Mal!